Wenn das „nervös sein“ zum Dauerzustand wird – was können Senioren gegen innere Unruhe tun?

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Immer nervös und aufgeregt, die Gedanken kommen nicht zur Ruhe und von Entspannung und Gelassenheit kann man nur träumen?

So fühlen sich Menschen, die unter innerer Unruhe leiden. Dieser Zustand der Dauer-Nervosität schadet nicht nur dem Körper, sondern beeinträchtigt auch den Geist.

Die Gefahr, dass sich aus dem dauernervösen Zustand eine Depression entwickeln kann, ist groß, deshalb ist es wichtig, Anzeichen ernst zu nehmen und ggf. einen Arzt zu Rate zu ziehen.

„American Nervousness“ – Dieser Begriff wurde 1869 durch den New Yorker Arzt und Elektrotherapeuten George M. Beard geprägt, der die deutsche Bezeichnung „Neurasthenie“ als Diagnose für einen Zustand der „inneren Unruhe“, das Leiden an Kultur und Zivilisation erfand. Da er die Symptome auf zivilisatorische Errungenschaften zurückführte, die er besonders in den USA vorfand, kam dieser englische Titel auf.

Die Bezeichnung als Zivilisationskrankheit legt nahe, dass der Zivilisationsprozess die Entstehung dieser Krankheiten begünstigt oder verursacht. So führte man Nervenleiden wie die Neurasthenie auf den zivilisatorischen Fortschritt zurück. Im 19. Jahrhundert machten demzufolge neben gesellschaftlichen Veränderungen vor allem Dampfmaschinen, Eisenbahn, Telegrafie und Elektrizität krank. „Alles lebt rascher“, schrieb Wilhelm Griesinger 1861 in seinem Buch „Die Pathologie und Therapie der psychischen Krankheiten.“ Er sprach von einem „fieberhaften Jagen nach Erwerb und Genuss …“ und schlussfolgerte, dass dieser Zustand zu psychischen Schäden führt.

Damals konnte man sich nicht erklären, welche Symptome konkret auf das Nervenleiden hindeuten. Die Patienten beklagten allgemeines Unwohlsein, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Schwäche, Schmerzen, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Abneigung gegen geistige Tätigkeit. Laut Beard nehmen Nervenkrankheiten zu, weil moderne Gesellschaften von ihren Mitgliedern verlangen, „normale Gefühle“ zu unterdrücken.

Heute, knapp 150 Jahre später, nennt man dieses Krankheitsbild „Burn-Out“. Natürlich weiß man heute, dass der gesellschaftlichen Fortschritt Erkrankungen nicht pauschal zu verantworten hat, sondern dass solche psychischen Leiden sehr komplex sind und sich auch auf Grund genetischer Dispositionen und bestimmter Persönlichkeitsmerkmale entwickeln, aber das Streben nach immer mehr ist nach wie vor ein gesellschaftlich sozialisiertes Phänomen, dass krank machen kann.

Ursachen für anhaltende Unruhe

Dauerhafter Stress, Ängste und seelische Belastungen. Starker Konsum von Koffein, Nikotin, oder Alkohol, ein niedriger Blutdruck, eine Schilddrüsenüberfunktion, funktionelle Herzbeschwerden, Lungenembolie, Depressionen sowie Medikamente können, nicht nur bei Senioren, zu einem Gefühl der völligen Überforderung führen.

Wie bemerkt man, dass etwas nicht stimmt?

Seniorinnen und Senioren, die unter innerer Unruhe leiden, werden in ihrem Alltag stark beeinflusst. Häufig können selbst einfache Aufgaben nicht mehr bewältigt werden, weil der permanente Unruhezustand die Gedanken prägt und zur Überforderung führt. Symptome wie Nervosität, Konzentrationsschwäche, Zittern, Schweißausbrüche, Herzklopfen, ein Druckgefühl im Brustbereich, Kraftlosigkeit, Angstzustände, Schwindel und Benommenheit, Atembeschwerden sowie Übelkeit bis hin zum Erbrechen können vorkommen.

Was kann man selbst tun, um die innere Unruhe zu reduzieren?

Auch wenn das mentale „Runterfahren“ anfangs schwerfällt, ist dies zu üben, ein erster wichtiger Schritt. Dabei helfen Entspannungstechniken dem Gedankenkarussell zu entkommen.

Yoga

Eine gute Möglichkeit bieten Yoga-Übungen. Da es viele unterschiedliche Formen von Yoga gibt, ist es wichtig den passenden Kurs für sich zu wählen. Egal, ob man es aktiver oder eher meditativ mag, der Grundsatz ist bei allen Formen gleich. Durch Übungen, die sogenannten Asanas, wird der Körper gekräftigt und gedehnt. Hierbei wird die Bewegung mit dem Atemrhythmus verbunden.

Qi Gong

Bei Qi Gong werden Atem-, Meditations-, Konzentrations- und Körperübungen miteinander verbunden. Alle Übungen sollen das „Qi“, die (Lebens-)Energie – im Körper wieder zum Fließen bringen.

Progressive Muskelentspannung

Im Liegen oder im Sitzen werden nach und nach alle Muskelgruppen des Körpers zunächst an- und dann wieder entspannt. Diese Entspannungsmethode eignet sich besonders gut für Senioren, die Probleme haben stillzuliegen und sich liebe aktiv entspannen möchten.

Phantasiereisen

Phantasiereisen sind Geschichten, die vorgelesen oder erzählt werden. Dabei führt eine angehenhme Erzählstimme und die Vorstellung von schönen, ruhigen Orten, zu Entspannung. Dieses Training eignet sich gut, um sich in kurzer Zeit zu entspannen. Außerdem kann die Phantasiereise alleine Zuhause mit einer CD oder einem Video durchgeführt werden, ohne dass Senioren extra irgendwohin zu fahren brauchen.

Autogenes Training

Beim Autogenen Training wird der Blick nach innen gerichtet. Im liegen werden bestimmte Formeln „stumm“ gesprochen wie z. B. „Meine Arme werden warm und schwer.“ Dadurch lernen Seniorinnen und Senioren in den eigenen Körper „hineinzuspüren“. Durch die Konzentration auf die inneren Prozesse wird alles Drumherum vergessen.

Tipps für den Alltag

Eine hilfreiche Routine ist der tägliche Gang an die frische Luft, um die Akkus aufzuladen. Neben Spazierengehen ist leichtes Jogging oder Nordic Walking empfehlenswert. Beruhigungstee, ein warmes Entspannungsbad und Massagen sind ebenfalls gute Methoden, um „mal abzuschalten“.

Ein Hausmittelchen, was zwar nicht jedermanns Geschmack ist, aber eine positive Wirkung verspricht, ist ein Glas warme Milch mit Honig, oder Buttermilch vor dem Schlafengehen zu trinken.

Ein bedeutender Faktor ist, die Wirkung der Sozialkontakte auf die psychische Gesundheit. Menschen, die unter „Burn-Out“ leiden, kapseln sich oft ab. Ein stabiles Netzwerk hilft, Veränderungen wahrzunehmen, bietet in stressigen Situationen Unterstützung und sorgt für Ablenkung. Auch hier helfen Routinen wie z.B. der wöchentliche Spieleabend, ein gemeinsamer Spaziergang oder das Treffen im Lieblingscafé.

Übung macht die Meisterin und den Meister!

Ganz wichtig bei allen Trainingsformen sowie neuen Routinen, ist es, geduldig mit sich zu sein. Niemand sollte erwarten schon bei der ersten Yoga-Stunde oder nach der ersten Massage dauerhaft spürbare Ergebnisse zu erzielen.

Die Gedanken werden noch öfter abschweifen und es fällt schwer in den „Modus“ zu kommen oder man schafft es doch nicht sich die Zeit für die vorgenommenen Aktivitäten zu. nehmen.
Deswegen ist der Wille dranzubleiben neben der Unterstützung von Medizinern, Familie und Freunden, ein bedeutender Erfolgsfaktor, um langfristig wieder mehr Wohlbefinden im Alltag zurückzugewinnen, damit man irgendwann wieder sagen kann: „In der Ruhe liegt die Kraft!“

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Dieser Beitrag ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt. Er kann und soll in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen. Die hier bereitgestellten Informationen sollten Sie niemals als alleinige Quelle für gesundheitsbezogene Entscheidungen verwenden.