Leben im Tiny House – geeignet für Senioren?

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Zu groß, zu lästig, zu viel! Wenn im Alter das Haus zur Last wird, fehlt es oftmals an einer Reihe von praktikablen Alternativen. Eine Möglichkeit, die aktuell immer größer werdende Beliebtheit erfährt, ist das Leben in einem so genannten „Tiny House“ – zumindest in der Theorie.

Was ist eigentlich ein Tiny House und woher kommt dieser Trend?

Ein Tiny House (tiny zu deutsch: „winzig“) ist ein sehr kleines Haus. Im deutschen Baugesetz ist dessen maximale Größe noch nicht klar definiert. Im amerikanischen Baugesetz hingegen darf ein Tiny House nicht mehr als 37 Quadratmeter Wohnfläche aufweisen.

Die Ursprünge der Tiny House – Bewegung finden sich in den USA. Dort entstand sie aus Gründen der Kostenersparnis und der Wohnraumknappheit. Nachdem die durchschnittliche Wohnfläche von Einfamilienhäusern auf Grund des materiellen Wohlstandes von 165 m² im Jahre 1978 auf 230,3 m² im Jahre 2007 gestiegen war, sah man sich gezwungen eine Gegenbewegung ins Rollen zu bringen. Diese schlug sich auch in der Architektur nieder.

Das Tiny House Movement wird heute auch mit einem reduzierten Lebensstil und somit verändertem Konsumverhalten verbunden. Während der Ursprung vornehmlich in einer notwendigen Kostenreduktion gesehen werden kann, haben sich die Entscheidungsgründe in Ländern wie den USA, aber auch in Deutschland vornehmlich in Richtung eines nachhaltigen Wohnens und Lebens entwickelt.

Auch einkommensstärkere Bevölkerungskreise nutzen vermehrt Tiny Houses als Gäste- oder als Wochenendhaus. Unternehmen verwenden Tiny Houses z.B. als Geschäfts- oder Messebüros.

Ganz neu ist das Tiny House in Deutschland gar nicht, denn als einen Vorläufer der Tiny Houses in Deutschland wird der ausgebaute Bauwagen von Peter Lustig aus der Sendung Löwenzahn betrachtet, der seit den 1980ern in der Sendung mit der Maus zu sehen ist.

Welche Vorteile bietet das Leben im Tiny House?

Welche Nachteile können beim Leben im Tiny House auftreten?

Wie muss ein altersgerechtes Tiny House aussehen?

Ein ideales Minihaus für Senioren würde sich dadurch auszeichnen, dass alle Räume auf einer Ebene erreichbar sind. Dazu wird eine ausreichend große Grundfläche benötigt. Pro Raum muss zudem eine Bewegungsfläche zum Wenden und Drehen mit dem Rollstuhl oder einem Rollator gewährleistet sein. Und damit auch sitzende Personen genügend Ausblick haben, sollten Brüstungen im Außenbereich ab 60 Zentimetern über der Oberkante des Fußbodens eine Durchsicht ermöglichen.

Türen müssen eine ausreichende Breite aufweisen. Alle Türgriffe sollten sich aus einer sitzenden Position in Greifhöhe befinden. Man misst hier 85 cm vom Fußboden.

Im Badezimmer kommt es auf einen ebenerdigen Zugang zur Dusche und stabile Haltegriffe neben Wannen- und WC-Bereich an. Die Wände müssen also stabil genug sein.

Offiziell barrierefrei dürfen sich ausschließlich Gebäude nennen, die der DIN-Norm 18040 für barrierefreies Wohnen folgen. Häuser und Wohnungen, die lediglich einzelne Aspekte dieser Norm berücksichtigen, gelten als barrierearm oder altersgerecht.

Durch den Anbau eines Wintergartens erhält man zusätzlichen Wohnraum, der voll genutzt werden kann. Mit Glasschiebetüren kann man zudem einen komplett geschlossenen Raum bei Bedarf in eine offene Terrasse verwandeln. Großzügige Glasflächen lassen ausreichend Licht ins Haus – ein Faktor, den gerade Menschen mit nachlassender Sehkraft zu schätzen wissen. So verlangt beispielsweise auch die DIN-Norm für barrierefreies Wohnen, dass auf eine gute Belichtung und Besonnung der Wohnungen geachtet werden muss.

Tiny house-Referenzprojekte in München

In Bayern gibt es bereits mehrere Projekte rund um „Tiny Villages“. Auf Grund des enormen Wohndrucks und der steigenden Mietpreise, entstehen kleine Siedlungen aus den günstigen und nachhaltigen Bauwerken. In Karlsfeld bei München sei dies laut örtlicher Politiker eine Möglichkeit für die junge Generation in der Region bleiben zu können, obwohl sie sich die hohen und immer weiter steigenden Mieten auf dem üblichen Wohnungsmarkt nicht leisten kann. Alleinerziehende, Singles und Paare ohne Kinder könnten von der neuen Wohnform profitieren, so die Politiker. 

Als Vorreiter nennt man das olympische Dorf in München – als „echtes Pionierprojekt der Tiny-House-Kultur“. Damals baute die Stadt 800 Unterkünfte aus Beton für die Athleten von 1972. Inzwischen ist es ein Studentenviertel mit 1052 Minihäusern geworden.

Fazit: Weniger ist mehr – aber nicht für alle!

Wer in seinem eigenen Zuhause alt werden möchte, dem wird das zum Teil beengte Leben in einem Tiny House nicht zusagen. Auch der mangelnde Platz kann der Barrierefreiheit bei schlecht geplanten Häusern einen Strich durch die Rechnung machen. Die wenigsten Tiny Houses sind ebenerdig, sondern – gerade wegen ihrer geringen Grundgröße – mit mehreren Geschossen ausgestattet. Für Senioren ist dies auf Dauer nicht geeignet und zu unsicher.

Wer das Tiny house-Gefühl dennoch einmal spüren möchte, kann in Deutschland Urlaub in richtig schönen Tiny Houses machen. In Hamm in Nordrhein-Westfalen gibt es z. B. ein Tiny House Hotel: https://pier9-hotel.de